Auf Skitouren lawinenbezogen sichere Entscheidungen treffen
Ergebnisse der DAV-Skitouren & Freeride Studie
Ich liebe es, in den Bergen unterwegs zu sein – auf Skitour, beim Klettern oder beim Wandern. Frisch verschneite Berglandschaften, schroffe Felsformationen, Almen – da schlägt mein Herz höher. Oft bin ich in den heimischen Dolomiten unterwegs, manchmal auch auf exotischeren Touren, zum Beispiel in Kirgistan.
Ich bin schon als Kind mit meiner Familie viel in den Bergen gewesen. Und rückblickend war das meine erste, sehr frühe „Ausbildung“ – nur eben spielerisch. Unsere Eltern haben uns ganz selbstverständlich beigebracht, wie man sich im alpinen Gelände bewegt und wie man Situationen einschätzt:
- „Wir müssen umdrehen, da zieht ein Gewitter auf.“
- „Hier können wir querfeldein gehen, weil ich das Gelände sehr gut kenne“ wir nannte es oft Stoaner hupfen
- „Hier ist es ausgesetzt und steil – keinen Blödsinn machen.“
Diese Sätze haben sich tief eingeprägt. Und ich merke bis heute: Mein Körper hat da einen riesigen Erfahrungsschatz aufgebaut – nicht als Theorie, sondern als gelebte, wiederholte Einschätzung von Gelände, Wetter, Steilheit, Exposition und Konsequenzen.
Später kamen dann die formalen Ausbildungen dazu. Ich habe mir Wissen und Können systematisch aufgebaut (u. a. Skilehrerausbildung, Hochtouren-Instruktor beim ÖAV) und war viel selbstständig mit Freunden unterwegs. Dann hat sich im Psychologiestudium die Möglichkeit eröffnet, diese beiden Welten zusammenzubringen: Bergsport und Psychologie. Spannend, warum nicht, dachte ich mir. Da geht ein besonderer Dank an Prof. Dr. habil. Bernhard Streicher, der mich damals überzeugt hat, bei der Skitourenstudie der Sicherheitsforschung des DAV mitzuarbeiten – und darüber meine Masterarbeit zu schreiben. Dass mich diese Studie dann noch viele weitere Jahre begleiten würde, hätte ich damals nicht gedacht. Und ich freue mich immer noch sehr, Teil davon zu sein – auch wenn es unzählige Stunden Auswerten, Diskutieren und Schreiben bedeutet hat. Und es gab einige Momente, die uns als Team manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht haben – Jedoch genauso oft haben wir auch gelacht und uns über unsere Arbeit gefreut 😊
In diesem Artikel möchte ich dir einen Einblick in unsere Arbeit geben: Was wir untersucht haben, was wir herausgefunden haben – und was das für Entscheidungen im Gelände bedeutet. Außerdem verweise ich dir auf die Publikationen, wenn du tiefer einsteigen willst.
Was hat Bergsport mit Psychologie zu tun?
Sehr viel – weil wir es sind, die mit unserer Wahrnehmung, Erfahrung, Ausbildung, Tagesform und Einschätzung ins Gelände gehen. Wir beurteilen Situationen nicht wie ein Messgerät, sondern als Menschen: mit Erfahrungen, Motiven, Gefühlen und hoffentlich mit Verstand und manchmal auch einem starken Einstellung, dass „es heute einfach aufgeht“.
Am Berg treffen wir Entscheidungen, die nicht nur komfortabel oder unbequem sind – sondern sehr oft über unsere Sicherheit und Gesundheit entscheiden.
Ich stehe an der Einfahrt in einen Hang, in dem ich weiß: hier kann sich ein Schneebrett lösen. Fahre ich ein oder lasse ich es?
- Der Lawinenlagebericht sagt: erhebliche Gefahr, der Wind hat verfrachtet, die Temperatur steigt. Ist diese Tour heute wirklich noch eine gute Idee?
- Ich bin am Joch, der Gipfel ist „nur noch eine halbe Stunde“. Aber diese hat es in sich: brüchiges Gelände, wo du jeden Schritt sauber setzen musst – Trittsicherheit, Konzentration, kein Stolpern, kein Ausrutschen. Habe ich dafür noch Reserven – körperlich und mental? Schliesslich muss ich ja auch wieder absteigen. Erst beim Auto ist die Tour beendet!
Habe ich also noch die Ruhe, Dinge nüchtern einzuschätzen – oder bin ich schon im Modus „Augen zu und durch“ oder „ach mein Kumpel wird es schon wissen“?
Das sind keine abstrakten Fragen. Das sind Situationen, die viele kennen. Und genau hier wird es spannend, wie unsere Psyche arbeitet.
Der Faktor Mensch – echt jetzt?

In der Fachliteratur und in Ausbildungen taucht oft der Begriff „Faktor Mensch“ auf – neben Lawine, Schnee, Wetter oder Tourenplanung. Das ist grundsätzlich hilfreich, weil es daran erinnert: Nicht nur die Natur entscheidet, sondern auch wir. Gleichzeitig wirkt es manchmal so, als wäre der Mensch einfach „ein Faktor unter vielen“. Aber so stimmt so einfach nicht. Denn wir sind nicht einfach ein zusätzlicher Punkt auf einer Checkliste. Wir sind diejenigen, die…
- Informationen sammeln (Wetterbericht, Lawinenlagebericht, Gelände, Spuren, Schneedeckenaufbau),
- sie bewerten (was bedeutet das heute für uns?),
- sie in Handlung übersetzen (umdrehen, umplanen, einfahren, abkürzen, weitergehen),
- und das Ganze in Echtzeit, oft unter Zeitdruck, Kälte, Müdigkeit oder Gruppendynamik.
Wir sind nicht „auch ein Faktor“. Wir sind das System, das entscheidet.
Und genau deshalb lohnt sich Psychologie im Bergsport so sehr: Sie hilft uns zu verstehen, wie wir entscheiden – nicht nur, was wir entscheiden. Wenn du tiefer eintauchen willst: „Mensch und Lawine“ dann empfehle ich dir die Artikelreihe „Mensch und Lawine“ in bergundsteigen von B. Streicher und M. Schwiersch. Sie sind ein guter Einstieg indem psychologische Prozesse beschrieben werden, ohne sich dabei zu sehr in der Theorie zu verlieren. Weiter unten findest du Links zu den Artikel.
Dort geht es unter anderem um Fragen wie:
- Was hat es mit Risikomanagement und der Risikokultur im alpinen Gelände auf sich?
- Wie lernen wir eigentlich aus Erfahrungen – und warum lernen wir manchmal das Falsche? Bzw. warum ist die Lawine einfach der schlechteste Lehrer den es gibt?
- Welche Rolle spielen mentale Abkürzungen (Heuristiken) und Denkverzerrungen (Biases)?
- Und wie wirken Gruppen auf unsere Einschätzung und Entscheidungen?
Skitourengruppen und ihre lawinenbezogenen Tourenentscheidungen
Wenn über Lawinenunfälle gesprochen wird, taucht schnell ein bestimmtes Bild auf: Skitourengeher:innen gelten als risikofreudig, als „zu mutig“, manchmal sogar als verantwortungslos. Besonders nach unfallreichen Wochenenden liest man in sozialen Medien Kommentare wie: „Skitourengehen gehört verboten.“
Ich verstehe, dass solche Aussagen oft aus Betroffenheit entstehen – aber sie sind weder hilfreich noch inhaltlich korrekt. Sie vereinfachen ein komplexes Geschehen zu einem moralischen Urteil. Und sie blenden aus, dass Entscheidungen am Berg nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern in einem Zusammenspiel aus Situation, Gelände, Erfahrung, Gruppe und Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig bringt es aber auch nichts, das Thema kleinzureden. Skitourengehen ist in den letzten Jahren im Alpenraum deutlich populärer geworden und Rettungseinsätze sind gestiegen. Jedoch sind gleichzeitig tödliche Lawinenunfälle über die Jahre im Durchschnitt relativ stabil geblieben.
Das ist kein Freifahrtschein – aber es zeigt: Es ist nicht so einfach wie „immer mehr Leichtsinn“. Es gibt Entwicklungen, die man nur verstehen kann, wenn man genauer hinschaut: Wer ist unterwegs? Mit welcher Erfahrung? In welchem Gelände? Unter welchen Bedingungen?
Und genau an diesem Punkt wird Forschung relevant.



Die Frage dahinter: Wie entscheiden Skitourengruppen wirklich?
Die Sicherheitsforschung des DAV hat sich 2019 deshalb eine sehr konkrete Frage gestellt: Wie gehen Skitourengruppen bei ihren Entscheidungen tatsächlich vor – draußen im Gelände, nicht im Lehrbuch oder im Labor? Hier ein Auszug der Fragen, die wir uns gestellt haben:
- Gehen Skitourengruppen systematisch und strukturiert bei ihren Entscheidungen vor? Wovon lassen sie sich leiten?
- Haben Schutzmaßnahmen wie ein Lawinenairbag Einfluss auf das Verhalten – im Sinne von „jetzt traue ich mich mehr“?
- Wie anfällig sind Gruppen für typische Entscheidungsfallen wie Heuristiken und Biases?
(also: mentale Abkürzungen, die oft nützlich sind – aber in bestimmten Situationen danebenliegen können) - Welchen Einfluss haben Lawinenlage, Geländeform und Exposition auf die Tourenwahl?
Im nächsten Teil stelle ich dir die wichtigsten Ergebnisse der großen Skitourenstudie (2020–2022) vor, für die ich mitverantwortlich bin und verlinke dir die Artikel zum tiefer eintauchen.

Fragestellung: Wie gehen Skitourengruppen bei Entscheidungen vor?
In unserer Feldstudie der DAV-Sicherheitsforschung untersuchten wir, wie Skitourengruppen zu ihren lawinenbezogenen Entscheidungen kommen – von der Planung bis zur Entscheidung am Einzelhang. Die Gruppen sind sich sehr bewusst, dass sie sich in einem lawinenbezogen ungesicherten Raum bewegen. Ihre Grundhaltung lässt sich ziemlich gut wie folgt beschreiben: Wir wollen eine Tour gehen, die machbar ist – und sich lawinenbezogen sicher anfühlt. Dieses Sicherheitsgefühl ist keine Nebensache, sondern, der Entscheidungsprozess ist bereits bei der Planung und beim Ausgangsort der Tour von einem Grundbedürftnis nach Sicherheit motiviert. Ohne dieses Gefühl würden die meisten gar nicht erst losgehen.
Spannend war dann die Frage: Wie entsteht dieses Sicherheitsgefühl?
Wir konnten mehrere Faktoren identifizieren: Viele Gruppen wählten eher viel begagene Standardtouren, verarbeiteten den aktuellen Lawinenlagebericht bewusst, orientierten sich an möglichen Gefahrenstellen und waren bereit, unterwegs Checks zu machen und ihre Einschätzung anzupassen. Auffällig war auch: Es gab selten eine fixe „Wir müssen genau diesen Hang fahren“-Festlegung – und auch keine klare Präferenz für unverspurte „Powderhänge“. Das widerspricht dem Klischee, dass Gruppen im Blindflug unterwegs sind und nur „geile“ Lines suchen.
Problematisch ist jedoch: Gefahrenstellen werden insgesamt zu wenig erkannt, und am Einzelhang fehlt häufig eine klare Systematik. Dadurch kann das Verhalten vor Ort manchmal nicht so angepasst werden, wie es eigentlich nötig wäre.
Unsere Tipps daraus:
- Plane konsequent: Alle Stellen >30° mit Steilheitslayern markieren und mit der DAV-SnowCard eine erste Einschätzung machen. Tools wie der Skitourenguru helfen bei der Planung – die Entscheidung im Hang bleibt aber bei dir.
- Nimm diese Planung dann draußen mit: Gefahrenstellen im Gelände wiederfinden, Schneesituation überprüfen und neu entscheiden.
- Ganz persönlich: Sprich auf Tour bewusst darüber, was du siehst und was du unter deinen Füßen spürst: – grisselig, pulvrig, feucht, tragend, Wumms-Geräusch? Lass jede Person einschätzen, auch die Unerfahrenen. Oft haben die ein überraschend frisches Auge. Und ja: Nutzte deinen Verstand – aber nimm auch deine Intuition ernst.
Brugger, M., Fritz, L., Hellberg, F., Hummel, C., Schwiersch, M. & Streicher, B. (Forschungsgruppe Winter der DAV-Sicherheitsforschung) (2023). Wie gehen Skitourengruppen bei ihren Entscheidungen vor? Weitere Ergebnisse aus der Skitourenstudie der DAV-Sicherheitsforschung. Bergundsteigen (122), 44-53.
ResearchGate
Brugger, M., Fritz, L., Hellberg, F., Hummel, C., Schwiersch, M. & Streicher, B. (2022): Skitourengruppen – sicher unterwegs? Lawinen: Gefahrenscheinschätzung und – verhalten in der Gruppe. Panorama 74(6), 56-60.
ResearchGate
Brugger, M., Fritz, L., Hellberg, F., Hummel, C., Schwiersch, M. & Streicher, B. (2023). Denn sie wissen im Wesentlichen, was sie tun. Skitourengruppen und ihre lawinenbezogenen Tourenentscheidungen. Panorama, 75(1), 38-42.
ResearchGate
Schwiersch, M., Brugger, M., Fritz, L., Streicher, B., Hellberg, F., Hummel, C., & Feistl, T. (2024). The German Alpine Club (DAV) ski touring study: Mindset, risk assessment and decision-making processes among ski touring groups in the Alps. In Proceedings International Snow Science Workshop (ISSW), Tromsø. https://arc.lib.montana.edu/snow-science/objects/ISSW2024_P11.14.pdf.
ResearchGate

Fragestellung: Verleiten Lawinenairbags tatsächlich zu riskanterem Verhalten?
Lawinenairbags werden oft kritisch diskutiert – nach dem Motto: „Mit Airbag wird man leichtsinniger.“ Also: Man geht mehr Risiko ein, fährt steilere Hänge oder bleibt länger in kritischem Gelände, weil man sich „eh gut abgesichert“ fühlt. In unserer Arbeit fanden wir dafür keine klaren Hinweise. Die meisten Nutzer:innen wissen grundsätzlich, dass ein Airbag Einschränkungen hat und keine absolute Sicherheit garantiert. Gleichzeitig zeigt sich aber: Der Sicherheitsgewinn wird oft zu hoch eingeschätzt.
Und noch etwas ganz Banales, aber extrem wichtig: Ein Airbag hilft nur, wenn er im Ernstfall auch funktioniert und ausgelöst wird. Deshalb: vor jeder Tour die Funktionsbereitschaft prüfen und den Griff so üben, dass er im Stress nicht „irgendwo“ ist. Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Lawinenunfall kommt, kann ein Airbag eine sehr wirksame Ergänzung zur Standard-Notfallausrüstung (LVS, Schaufel, Sonde) und zur Gruppenausrüstung (Erste Hilfe, Biwaksack, Mobiltelefon) sein.
Streicher, B., Brugger M., Schwiersch M., Fritz, L., Hummel, C. & Hellberg F. (2026) Winter backcountry travel and avalanche airbags: Assessing risk-taking in a field study. Journal of Outdoor Recreation and Tourism, 53. 1-11.https://doi.org/10.1016/j.jort.2025.101009
ResearchGate
Brugger, M., Fritz, L., Hellberg, F., Hummel, C., Schwiersch, M. & Streicher, B. (Forschungsgruppe Winter der DAV-Sicherheitsforschung) (2024). Verleiten Lawinenairbags tatsächlich zu riskanterem Verhalten? Bergundsteigen (124), 42-50.
ResearchGate
Fragestellung: Sind Skitourengruppen tatsächlich für Entscheidungsfallen sog. Heuristiken & Biases anfällig?
Wir Menschen können etwas ziemlich Beeindruckendes: In komplexen Situationen schnell gute Entscheidungen treffen, ohne jedes Detail auszuwerten. Wenn es beim Autofahren zu regnen beginnt und der Verkehr dichter wird, fahren wir langsamer und halten mehr Abstand. Und wenn wir auf Skiern auf eine nicht einsehbare Hangkante zufahren, bremsen wir ab oder bleiben kurz stehen. In beiden Fällen passiert etwas Ähnliches: Wir reagieren auf wenige, aber entscheidende Signale – und genau das macht uns handlungsfähig.
Diese „mentalen Abkürzungen“ nennt man Heuristiken. Klingt technisch, heißt aber im Grunde: Daumenregeln, die uns helfen, schnell zu entscheiden. Und das ist erst einmal sinnvoll. Wenn du jedes Mal hundert Faktoren abwägen müsstest, wären wir viel zu langsam & Skifahren würde definitiv dann nicht so viel Spaß machen.
Heuristiken funktionieren besonders gut, wenn sie zur Situation passen und wir genug Erfahrung haben. Manche kann man sogar bewusst und systematisch nutzen – zum Beispiel Entscheidungshilfen wie die DAV-SnowCard, die Komplexität reduziert.
Die Schattenseite beginnt dort, wo eine Daumenregel zwar ein gutes Gefühl gibt, aber nicht mehr passt. Das kennen wir aus dem Gelände:
- „In der Gruppe ist es sicherer.“
Fühlt sich so an – aber im Steilhang können mehr Personen auch mehr Belastung in die Schneedecke bringen. Deshalb Steilhänge gilt die Regel, einzeln befahren! - „Wenn andere fahren und nichts passiert, ist es ok.“
Spuren beruhigen. Aber eine Spur ist kein Beweis, sondern nur ein Hinweis: Heute, zu diesem Zeitpunkt, ist es bei dieser Abfahrt gut gegangen. Nicht mehr und nicht weniger! - „Unverspurter Powder ist rar – den müssen wir jetzt nehmen.“
Knappheit erzeugt Druck. Und Druck macht Entscheidungen schnell – aber nicht automatisch besser.
Solche Mechanismen sind in der Lawinenwelt lange als typische „Entscheidungsfallen, sogenannte FACETS (Vertrautheit, Akzeptanz, Festlegung auf ein Ziel, Experten-Halo, Knappheit von Neuschnee, soziale Bewährtheit)“ beschrieben worden. Daraus könnte man schließen: Skitourengeher:innen tappen ständig hinein. Und genau hier war unsere Feldstudie spannend: So eindeutig war das bei den befragten Gruppen nicht. Wir konnten nicht zeigen, dass diese Heuristiken vorliegen und Gruppen deshalb riskantere Touren wählten. Entscheidungsprozesse im Alltag wirken oft stabiler und differenzierter, als man es aus Unfallanalysen (FACETS Studie von McCammon, 2002, 2004) oder Diskussionen in sozialen Medien ableitet.
Aber: Das heißt nicht, dass diese Fallen harmlos sind. Sie können im Einzelfall sehr wohl wirken – vor allem dann, wenn Ressourcen knapp werden: Stress, Kälte, Zeitdruck, Müdigkeit, schlechte Sicht, plötzliches Wetter oder eine ungünstige Gruppendynamik. Dann wird das Denken oft vereinfachent. Und genau dann steigt das Risiko, dass man dem ersten Impuls folgt oder sich am Ziel festbeißt.
Tipps, um nicht reinzutappen
- Denke in Optionen und bleibe flexibel – passe deine Tour an -> das verhindert eine Ziel-Fixierung
- Spuren entzaubern: Frag dich: Würde ich den Hang auch ohne Spuren so einschätzen?
- Achte auf Druck-Sätze oder „das kenne ich schon“: Jetzt sind wir schon soweit gekommen, Mir ist kalt… ich muss runter, das ging immer gut, wird heute auch gut gehen
- Wenn es eng wird: zurück zur einfachen Regel: DAV-SnowCard / prüfe Steilheit / Warnzeichen im Schnee / Diskussion in der Gruppe
Weitere Publikationen
Weitere Skitourenstudien Ergebnisse zu den Themen Einfluss von Lawinensituation und Geländefaktoren auf die Tourenwahl, Lawinenausrüstung, Kenntnisse des Lawinenlageberichts, Skitourenguru
Brugger, M., Fritz, L., Hellberg, F., Hummel, C., Schwiersch, M. & Streicher, B. (2022). Skitourengruppen – sicher unterwegs? Lawinen: Gefahreneinschätzung und -verhalten in der Gruppe. Panorama, 74(6), 56-60.
ResearchGate
Fritz, L., Brugger, M., Hellberg, F., Hummel, C., Kozikowski, J., Mengin, J., Ploner, J., Schmid, P., Schwiersch, M., Schwiersch, L, & Streicher, B (2022). Gerüstet für den Fall der Fälle? Studie: Notfallausrüstung bei Skitourengruppen. Panorama, 74(1), 42-46.
ResearchGate
Streicher, B., Hummel, C., Brugger, M., Fritz, L., Schwiersch, M., Hellberg, F., & Feistl, T. (2024). The German Alpine Club (DAV) ski touring study: How well do ski touring groups know the avalanche bulletin. In Proceedings International Snow Science Workshop (ISSW), Tromsø. https://arc.lib.montana.edu/snow-science/objects/ISSW2024_P12.7.pdf.
ResearchGate
Schwiersch, M., Fritz, L., Brugger, M. & Hellberg, F. (2026). Skitoureguru – das bessere probalisitische Tool? Bergundsteigen (133), 30-38.
Bergundsteigen
Dreiteilige Serie: Mensch und Lawine in Bergundsteigen von Dr. habil. Berhard Streicher und Martin Schwiersch
Streicher, B. & Schwiersch, M. (2024). Mensch und Lawine. Versuch einer Bestandsaufnahme – Teil 1 von 3:
Merkmale des Risikos. Bergundsteigen (128), 34–43.
Bergundsteigen
Streicher, B. & Schwiersch, M. (2024). Mensch und Lawine. Versuch einer Bestandsaufnahme – Teil 2 von 3: Merkmale der Person. Bergundsteigen (129), 20–33.
Bergundsteigen
Streicher, B. & Schwiersch, M. (2025). Mensch und Lawine. Versuch einer Bestandsaufnahme – Teil 3 von 3: die soziale Welt. Bergundsteigen (130), 20–31.
Bergundsteigen
Ich wünsche dir noch viele tolle, unvergessliche Skitouren in den Bergen. Pass auf dich auf und lass mir gerne wissen, wie du Entscheidungen im Gelände triffst. Oder auch gerne zu den Studienergebnissen. Bin gespannt.
Deine
Michaela Brugger





0 Kommentare